Die Chatham-Haus-Regel(n)

Jeder Journalist kennt das: Mitten im Interview, meistens an der spannendsten Stelle, fällt der Satz: „Das sag‘ ich Ihnen jetzt aber nur so!“ Nun steht der Journalist vor einem Problem, den theoretisch darf er diesen Inhalt gar nicht mehr verwenden. Nur woher soll er wissen, wo das Gespräch „unter uns“ angefangen, und wo aufgehört, hat. 

Es gibt ein paar Regeln, die jeder Journalist, aber auch jeder Interviewpartner kennen sollte. Sie dienen vor allem dazu, den Rahmen eines Gesprächs abzustecken, und das sollte möglichst vor dem Interview abgeklärt werden.

Es gibt Dialoge…

  • … „unter eins“: Diese Information darf bei direkter Nennung des Urhebers wörtlich wiedergegeben werden. Das gilt zumeist auf Pressekonferenzen, öffentlichen Interviews, Live-Sendungen usw.
  • … „unter zwei“: Die Information und das Umfeld der Quelle dürfen zwar wiedergegeben, aber nicht direkt zitiert werden. Diese Situation versteckte sich oft hinter so kruden Formulierungen wie: „…“, sagte ein Freund des Pärchens / lies sich aus Regierungskreisen vernehmen / verrieten interne Quellen. Diese Form wird auch oft als Chatham-House-Rule bezeichnet. Sie besagt:

When a meeting, or part thereof, is held under the Chatham House Rule, participants are free to use the information received, but neither the identity nor the affiliation of the speaker(s), nor that of any other participant, may be revealed.

  • … „unter drei“: Die Information darf nicht öffentlich verwertet werden. Der Journalist hat sie ausschließlich für seinen eigenen Hintergrund erhalten. Davon erfährt der Leser dann nur indirekt, indem er die Informationen versteckt im Fließtext wiederfindet.