Haltung statt Meinung

Das sei es, was gute Journalisten bräuchten: Eine Haltung zur Welt, keine Meinung. Doch das können nur wenige von sich behaupten. Besonders im Lokaljournalismus, und besonders in Münster. Seit der Fusion von MZ und WN hat Münster zwei Zeitungen mit dem gleichen Inhalt. Für viele Bürger ein echter Anstoß des Ärgers, da viele Artikel der WN eine politsch-konservativen Meinung an den Tag bringen oder manche Informationen gänzlich zurückgehalten werden. Viele der 300.000 Bürger, darunter besonders die 42.000 Studenten, empfinden diese mediale Diktatur als Katastrophe.

Kein Wunder also, dass 160 Interessierte am Montagabend zur der Debatte „Wie viel Presse braucht eine Stadt?“ in der Stadtbücherei erschienen sind, obwohl der Saal auf 99 Besucher begrenzt war. Die beiden Gäste Ruprecht Polenz von der WN und Jan Feddersen von der TAZ beantworteten Fragen zur Zukunft und Aufgabe von Bezirks-, Lokal- und Qualitätsjournalismus. Ein besonderes Thema war dabei die Einschränkung der Objektivität durch Werbeanzeigen in den Zeitungen und die eigene Meinung in Politik, Wirtschaft, Religion und Wissenschaft.

In einer perfekten Welt hatte die Zeitung mit alten Zank. Mit den Kirchen, den Parteien, mit allen.

– Jan Feddersen

Das Fazit des Abends: Die Medienlandschaft in Münster ist weit von einer perfekten Welt entfernt. Aber es gibt schon Mutige, die etwas verändern wollen. „Die andere Zeitung“ hat zwar noch keine Ahnung, was sie machen will, aber sie will alles anders machen. Dafür wollen sie allerdings erstmal Geld sammeln und dann erst Content liefern. Qualitätsjournalismus müsse schließlich bezahlt werden.