#jnrw15, der Journalistentag

Gemecker, eigentlich nur Gemecker. So würde ich den Journalistentag in Duisburg zusammen fassen. „Alles Scheiße“, hätte das Motto lauten können. Das Thema war dabei eigentlich egal, denn was auch immer es war: Es war scheiße.

Unzufriedenheit auf allen Seiten

Damit äußere ich nicht meine eigene Meinung. Es ist mehr eine Zusammenfassung der gehörten Vor- und Beiträge. Dabei klangen die vorher eigentlich ganz viel versprechend: Augenzeugenbericht eines Journalistin in Paris, Meinungsfreiheit, Print-, Lokal- und Bildjournalismus, alternative Plattformen.

Ja, ich hatte mich gefreut.

Ja, ich wurde enttäuscht.

Zu viel Panikmache. Zu viel Berichterstattung, zu wenig Berichterstattung. Angst vor dem großen Print-Sterben. Zu viele Online-Medien, zu wenig Online-Journalismus. Besonders: Ablehnung des „WhatsApp-Journalismus“ (mein persönliches Unwort des Tages). Blöde Arbeitsbedingungen. Zu wenig Geld, zu geringe Bezahlung. Zu viele Blogger, zu wenig Blogger. Die Liste war endlos… Und dabei hatte ich noch nicht einmal alle Foren besucht.

Jeder kann schreiben

Besonders geärgert haben mich aber die fast beleidigenden Aussagen eines vortragenden Fotografen. „Schreiben kann jeder lernen, schließlich können wir alle das ABC“, meinte er. Deshalb soll jeder Fotograf auch als Journalist fungieren – und man könnte sich die Journalisten sparen. Ich fragte mich, ob man nicht auch argumentieren könnte, dass jeder Journalisten das Fotografieren lernen kann, schließlich haben wir alle einen Zeigefinger zum Knopf-Drücken.

Also, liebe Kollegen, ich hatte mich eigentlich auf einen schönen Samstag mit euch gefreut: angeregte Diskussionen, Meinungsaustausch, Vernetzung, freudiges Beisammensein. Schließlich haben wir alle was gemeinsam: Wir sind Journalisten, oder arbeiten zumindest mit Medien – und das tut wohl kaum einer von uns aus finanziellen Gründen. Sondern weil wir diesen Beruf lieben. Doch statt angeregt zu diskutieren hat jeder nur seinen Frust ausgekotzt. Statt sich zu vernetzen hat jeder nur auf sein smartphone gestarrt.

Ja, natürlich ist der Job nicht leicht. Natürlich gibt es Probleme. Natürlich ist man nicht immer zufrieden. Und natürlich sind die Tweets von Jennifer Laurence interessanter als mein enthusiastisches Geplapper. Das versteh ich schon. Aber traurig macht es mich auch.