Ihr Themengebiet, bitte!

Es war mein erstes, richtiges Vorstellungsgespräch. Da saß ich, in Jacket und Bluse. „Was ist denn Ihr Fachbereich?“, fragte mich der Chef Redakteur von Antenne Münster, Stefan Nottmeier. Ich guckte verwirrt. Er konnte es wohl in meinem Gesicht sehen und fügte hinzu: „Worüber berichten Sie denn gerne? Welches Themengebiet…“, sagte er. Doch meine Verwirrung blieb, und meine Antwort blieb aus. Denn eine viel wichtigere Frage brannte in mir auf: Sollte das heißen, es gab Journalisten, die sich ihre Themengebiete aussuchen konnten?

Das ist jetzt über zwei Jahre her. Damals schien mir die Vorstellung, dass der journalistische Gelderwerb aus anderen Terminen als Karnevals- und Ratssitzungen oder Ausstellungs-Eröffnungen bestehen könnte, noch wie ein verrückter Traum. Heute ist das anders. Wenn mir die gleiche Frage heute gestellt würde, dann hätte ich meine Antwort parat:

Justiz, Ernährung, Gesellschaft. 

Das sind sie, meine Themen. Die ich liebe. Für die ich brenne. Warum? Ich weiß es nicht genau, es ist einfach so. Ich könnte stundenlang im Gericht sitzen und den Verhandlungen folgen. Ich könnte hundert Menschen mit Ernährungsintoleranzen, Allergie, moralischen und gesundheitlichen Diäten interviewen. Ich könnte wochenlange Recherchen über die Mühlen unserer Gesellschaft betreiben.

Ihr seht: Ich hab mich entwickelt. Denn tatsächlich glaubte ich damals nicht, jemals eine Antwort auf diese Frage geben zu können. Und das gibt Hoffnung – denn es gibt genügend Fragen, die ich auch heute nicht zu beantworten vermag. Aber das kann sich ändern. Das wird sich ändern.