Sprachlos in Münster

IMG_3786Die Fahrstuhl-Tür öffnet sich. Es ist das untereste Stockwerk, der Keller eines Hochhauses. Die Anwohner erwartet ein verstörender Anblick: An der gegenüberliegenden Wand kauert ein Mann. Seine Kleidung ist zerrissen, seine Hände sind mit Blut überströmt. Etwas unsicher sehen die Bewohner sich um. In dem Keller-Flur stehen acht weitere Leute. Sie sehen sich wartend um. „Keine Sorge, alles gut“, beruhigt der Mann die Anwohner, die gerade mitten in eine Film-Produktion geplatzt sind. Etwas verwirrt werden sie durch das Set in ihrem Keller gewinkt. Als sie weg sind, heißt es: Alles auf Anfang.

Diese Szene passierte bei unseren Dreharbeiten zu dem Film „Die Sprachlosen“ von Selon Fischer. Ich hab die Aufnahmeleitung gemimt, und nebenbei auch noch Kostüm und Maske gemacht. So durfte ich immerhin mal mit Kunstblut arbeiten, mit einer Waffe rumfuchteln und mit coolen Typen rumposen. Die Dreharbeiten gingen von Freitag bis Montag, jeden Tag ungefähr acht Stunden (eher mehr). Aber wir hatten einfach alles dabei, was eine gute Produktion braucht: Einen lustigen Hauptdarsteller, eine lokale Berühmtheit, eine Kampftruppe und eine attraktive Schauspielerin – Was braucht man mehr? Gut, Essen und Trinken. Aber dafür war auch gesorgt. Deswegen waren die Störungen durch fremde Menschen am Set auch nicht ganz so schlimm, wenn auch manchmal etwas verunsichernd: Unsere Kampfszene am Hawerkamp wurde ständig durch einige Junkies (oder wie unser Hauptdarsteller aus Weimar immer sagte: „Druffis“) gestört. Aber die konnten wir irgendwann auch dazu bringen, das Set zu verlassen.

All in all war es aber eine wunderbare Erfahrung, aus der ich viel lernen konnte. Zum Beispiel den tollen Satz „Wirkung vor Logik“, den unser Kameramann immer sagte. Er hat Recht. Wenn man beim Film mal drauf achtet, machen manche Bewegungen gar keinen Sinn – sie sehen aber schön aus. Mittlerweile haben wir den Film „abgedreht“, wie es so schön heißt, und nun warte ich auf die Premiere.