Was ich besser machen kann…

Da sitze ich. Direkt vor mir. Mir selbst. Die Beine übereinander geschlagen, selbstbewusst in den Stuhl gelehnt. Mein Interviewpartner vor mir. Gut seh ich aus, professionell (Selbstlob muss manchmal sein! 😉 ) Aber merkwürdig ist es trotzdem, sich da selbst zu sehen: auf der Video-Leinwand, wie ich meinen Interviewpartner vom Vortag die Fragen stelle.


Bei der Tagung in Bonn wurden mein Interview mit Dietmar Kappe, dem Pressesprecher der UNO-Flüchtlingshilfe, mit einer Kamera aufgezeichnet. Um mir Feedback zu geben. Und ich kann nur sagen: Viel lehrreicher geht es nicht!

Zugegeben, ich hab meine Sache gut gemacht. Ehrlich. Es hat schon bestens angefangen: Ich hab das Gespräch nicht nur aufgezeichnet, sondern auch die Erlaubnis meines Interviewpartners mit auf dem Band gehabt. Not to brag, but: Als einzige im ganzen Kurs, zu meinem Stolz 😉

image1Auch mein Einstieg ist schön. „Sie sind Dietmar Kappe, Pressesprecher der UNO-Flüchtlingshilfe“, leite ich ein. Eine Vergewisserung, die mir Sicherheit gibt und meinem Interviewpartner ein gutes Gefühl.

Doch dann bemerke ich meinen großen Fehler. In meiner kurzen Recherche habe ich Daten, Fakten und Zahlen zusammengetragen, fing an sie vorzutragen und formulierte erst nach 30 Sekunden eine echte Frage. Dietmar Kappe sieht mich verwirrt an: Worauf genau will die junge Frau denn nun hinaus?, zeichnet sich die Frage in seinem Gesicht ab. Nun, das weiß die junge Frau auch nicht genau. Schließlich hatte sie nur zehn Minuten Vorbereitungszeit und wollte erstmal warten, was der gute Mann so zu erzählen hat…

In meiner Erinnerung hat das auch ganz gut funktioniert, im Rückblick – den ich nun auch noch direkt vor mir präsentiert bekam – ist die Wahrheit aber kaum zu verdrängen: Ich wirke unstrukturiert. Meine Frage ist lang, ungenau, unpräzise.

„Achtung vor langen und Doppel-Fragen. Profis werden sich das beste Gebiet raussuchen und den Rest ignorieren“, erklärt uns Trainer Volker Engels. Ich weiß genau, was er meint. Notizen an mich selbst: Fragen klarer formulieren. Weniger „Äh“ und „Also…“. Weniger Ausformulierungen. Einfach konkret nachfragen und dann den Mund halten. Uff.

Aaaaaber: Zu lange solle ich den Herren auch nicht reden lassen, empfiehlt Engels mir. „Dir sollte vorher schon klar sein, wo du eigentlich hin willst“, sagt er mir. Well… Es wird also ein Spagat: Konkrete Fragen stellen, zu einem bestimmten Thema hinführen und dann reden lassen. Aber die Antwort auch nicht ausschweifend werden lassen. Im Notfall sogar nachsteuern, in dem ich nochmal auf mein konkretes Thema hinweise.

Eine gute Quintessenz, die ich mir merken muss und ein wirklich ergiebiges Feedback. Zumal Engels das Ganze sehr aufbauend abschloss: „Die Unsicherheit war dir überhaupt nicht anzumerken, du warst sehr souverän. Wirklich gut gemacht“, sagt er. Yeahie! 🙂