Workshop: Recherche

Ein kurzer Anruf hätte genügt und der Fake wäre aufgeflogen. Ich rede natürlich von dem letzten Medienskandal, dem Varoufake. Durch ein gefälschtes Video bei YouTube verlangte Günther Jauch eine Rechtfertigung vom griechischen Außenminister Janis Varoufakis. Der Grund: Dieser hätte bei einer Debatte in Zagreb gesagt: „We gotta stick the finger to germany“ und dabei seinen Mittelfinger in die Kamera gehalten. Eine Unverschämtheit, fand Günther Jauch und all die Fernseh-Zuschauer am Sonntagabend. Auch Janis Varoufakis konnte diesen Skandal kaum glauben und viel mehr: Er konnte sich nicht mal daran erinnern. Wie auch? Das Video war schließlich gefälscht. Initiator Jan Böhmermann, der bereits durch eine ähnliche Aktion mit Stefan Raab bekannt war, konnte sich nur wundern, dass niemand bei ihm oder in Zagreb angerufen und nachgefragt hat.

Ein politisches Debakel, eine kleiner Medienskandal und das alles wegen mangelner Recherche-Arbeit. Doch wie hätte ich selbst dabei besser vorgehen können, habe ich mich gefragt. Die Antwort gab mir der Kollege Charly Herberer in seinem zweitägigen Workshop-Seminar. „Kreuzcheck“, hieß seine simple Antwort. Immer alles gegenprüfen lassen und die eigene Meinung ständig in Frage stellen. Nur dadurch wird guter Journalismus gewährleistet.

Natürlich war das nicht alles, was er uns in den zwei Tagen beigebrachtet hat. Von praktischen Übungen, wie aus einer kleinen Plakette an der Promenade plötzlich eine investigative Geschichte wird, über Erklärungen zur Benutzung von Online-Tools im Umgang mit Google bis hin zu nützlichen Tricks und Hinweisen, wie man die eigene Objektivität gewährleisten kann.

Besonders hängen geblieben ist mir allerdings sein Fazit: „Es reicht nicht nur, dass alles zu wissen, man muss es auch anwenden“, sagte Charly Herberer abschließend, und das sein schwieriger als man denken würde. Mich jedenfalls hat es motiviert, meine eigenen Texte und die Haltung zu den Geschehnissen stärker in Frage zu stellen. In erster Linie, um besseren Journalismus zu produzieren, aber auch, damit mir nicht eines Tages selber so eine peinliche Geschichte wie der Varoufake unterläuft. Währet den Anfängen, sozusagen.